Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Saxonette, Spartamet und andere
winfried

Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von winfried »

Hallo Freunde,

gestern nachmittag habe ich das erste Mal einen Motor, den ich vor vielen Jahren durch Erwerb eines neuen Motors, ausrangiert hatte, geöffnet. Der Abzieher, den ich in Datteln erwerben konnte, hat mir dabei wertvolle Dienste geleistet.
Der Motor trägt die Bezeichnung 301/A und eine 20, der Kolben den Buchstaben B.
Der Motor hatte damals mehrere tausend Kilometer auf dem Buckel, wurde immer lahmer und ist dann von mir auf Rat des Händlers ausgetauscht worden.
Da nun alle sagen, wie einfach es ist, einen Saxo-Motor zu öffnen und zu überholen, habe ich mir mein Hasenherz gefasst und den Motor zerlegt.
Das Getriebe besteht aus mehreren schmalen großen Zahnrädern und den entsprechenden kleineren Trieben. Die Kupplung hat noch ca 0,6 mm Belag, gemessen mit einer Tiefenschieblehre, der Kolben mit dem Buchstaben B hat nicht gefressen und sieht noch sehr gut aus.
Ich möchte mir den Motor als Ersatz wieder zurechtmachen und habe aus diesem Wunsch heraus, auch den alten Bing zerlegt, den Düsenstock nach Rolands "reiner Lehre" gesäubert und wieder zusammengesetzt.
Nun ergeben sich einige Fragen für mich.
Wie mir bekannt, gab es im Laufe der vergangenen 2 Jahrzehnte immer wieder Änderungen an den Saxomotoren.
Schaue ich bei Händlern in die Listen mit Ersatzteilen, finde ich 4 verschiedene Wellendichtringe aus Kunstoff für den Saxomotor. Angeboten werden aber nur Ringe ohne Bezeichnung für welchen Motor sie gedacht sind. Sind die Wellendichtringe für alle Saxo-Motoren gleich?
Passt der entsprechende Ring in den Motor von 1989 genau so, wie in den Motor von 2004 mit Wurmwelle?

Wenn ich einen neuen Kolbenring anbringen will, muss ich den Ring für Kolben B bestellen, oder sind die auch alle gleich, irgendwo las ich, dass steigende Alphabetbuchstaben dickere Kolben bedeutet. Bedeuten dickere Kolben auch dickere Kolbenringe?
Sollten die Lager des Motors auch ausgetauscht werden, so adhoc sind für mich keine Verschleißerscheinungen an den Lagern ersichtlich.Spiel in der Höhe haben sie keins.
Pleuel und Kolbenbolzen haben, meinem Dafürhalten nach, auch kein Höhenspiel, sodass ich hier wahrscheinlich keinen Handlungsbedarf habe.
Auch die Nadellager an Kurbelwelle und Kupplungsglocke haben hein deutliches Spiel und alles erscheint leichtgängig, sodass ich hier wahrscheinlich auch nichts neu kaufen muß.
Die Wellendichtringe und der Kolbenring sind bestimmt verschlissen und zu tauschen. Fällt Euch noch etwas ein, was ich vergessen habe?

Schraubige und ölige Grüße
Winfried
Jörg

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von Jörg »

Du hast einen Motor mit 3-Stufengetriebe ,dies läuft lauter ist aber robuster als das Wurmwellengetriebe,die Simmeringe sind in allen Motoren gleich,die Belagstärke der Kupplung ist noch ausreichend,es gibt nur eine Kolbenringgröße,egal ob der Kolben A,B,C,oder D-Maß hat.Die Kurbelwellenlager haben ein erhöhtes Laufspiel ( C 4 ) und müssen recht selten gewechselt werden.Da das Wechseln des Simmeringes auf der Getriebeseite der Kurbelwelle nicht so einfach ist wie bei einem Motor mit Wurmwelle,schlage ich vor,daß Du Dir eine Reparaturanleitung beschaffst.Dort ist alles gut beschrieben und Du erhältst auch Einstell-und Kontrollwerte.
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PeCeBu
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Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von PeCeBu »

Hallo,
falls du die Rep-Anleitung wirklich noch nicht hast
viewtopic.php?f=34&t=766#p6354
Gruß Peter
winfried

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von winfried »

Hallo Jörg,
herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort.
Du hast recht, der Simmering auf der Kurbelwelle, Getriebeseite, ist schwieriger zu wechseln.
Nach vorsichtigem Einspannen des Zahnrades neben der Kupplungsglocke in einen Schraubstock, konnte ich die innenliegende
Imbusschraube lösen. Mit einem Plastikhammer habe ich mit feindosierten Hammerschlägen die Kupplungsglocke freigeschlagen und mit eingeschraubter Imbusschraube und dem gleichen Hammer vorsichtig das Lager vun der Kupplungsachse entfernt.
Der Simmering war danach frei zugänglich und kann nach Deinen Hinweisen auf gleiche Maße der Ringe nun ausgetaucht
werden.

Gruß und Dank Winfried
winfried

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von winfried »

Hallo Peter,
Dein Hinweis auf die Reparaturanleitung kommt mir sehr gelegen. Da ich mich bis jetzt nicht getraut habe
einen Motor zu zerlegen, habe ich mich mit dieser Anleitung noch nicht auseinandergesetzt. Das soll aber nun anders werden.
Herzlichen Dank für Deinen Hinweis.
Ob das ganze Restaurierungsobjekt für mich Sinn macht, weiß ich noch nicht. Der Motor muß ja erst einmal wieder laufen!

Viele Grüße
Winfried
nicht mehr Mitglied

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von nicht mehr Mitglied »

Hallo Winfried ,
Es klappt ja ganz gut mit der Revision. Denke an richtige Einbaurichtung des W-Dichtring.
Wie sieht der Kolben aus ? Kannst Du Bilder einstellen oder mir an
>> sachs-renner@arcor.de senden . Bitte nicht so groß die Bilddateien !
Meße auch mal zur verschleißkontrolle das die stärke des Kolbenring.
Größter und kleinster Wert sind Intressant.


Mfg und viel Spass beim basteln :andiearbeit:
Bernd
Dieter-K

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von Dieter-K »

Hallo Winfried,

ehrlich klasse, dass du dich traust.

Was aus meiner Sicht noch am Mehrstufengetriebe zu prüfen ist:
Fasse die großen Zahnräder ganz außen und drücke sie in Achsrichtung und in die entgegengesetzte Achsrichtung (auf deutsch wackel quer zur Drehrichtung).
Wenn sich ein Zahnrad 4mm seitlich schlackern lässt, ist das Nadellager darunter abgenutzt. Die höchste Abnutzung hat erfahrungsgemäß das Lager unter dem Großrad auf der Kupplungswelle.
Wenn die Großräder einander beim Laufen berühren können, versteht man, warum manche Mehrstufer unerhört laut sind. Ursache sind dann immer die Nadellager.

Pass schön auf jedes Scheibchen auf. Aber wem sag' ich das...

Dieter
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tnt-dennis
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Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von tnt-dennis »

Hi Winfried,
schön zu hören, das Du Dich überwunden hast und nun auch dieses Thema angehst.
Ich denke, das die Orgeln, die Du sonst reparierst, wesentlich komplizierter sind. Auch glaube ich, das schon mehr oder weniger alles erwähnt worden ist, auf das Du achten solltest. Eventuell noch: Die Nadellager die Dieter erwähnt hat sind in Deinem 199er Motor 13mm breit, im Gegensatz zu den einstufigen Nachfolgern. Die haben 10mm breite Nadellager. Achte beim eventuellen Nachkauf darauf.
Bevor Du den Motor verschließt, lies nochmal diesen Thread. Da hat Bernd sehr anschaulich den Hylomar Gebrauch dargestellt.

viewtopic.php?f=2&t=1182

Gruß
Dennis
Georg

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von Georg »

Dieter-K´s Tips zur Spielüberprüfung kommen auch mir sehr gelegen. Dankeschön!
winfried

Re: Einige Fragen zu meinem ersten selbstgeöffneten Motor

Beitrag von winfried »

Hallo Freunde,

vorerst schon einmal vielen Dank für Eure hilfreichen Informationen.
Lieber Berd, deinem Wunsch nach Bildern kann ich zwar nachkommen, allein es bringt nicht viel, da ich den
Kolben aus dem Pleuel entfernt habe und ihn danach gründlich gereinigt habe. Zweck der Reinigung war die Entfernung der Ölkohlenreste
in der Aussparung für den Kolbenring. Ich habe den Kolben auf einer hochtourigen Poliermaschine mit einer feinen Zirkular-Messing-Drahtbürste gereinigt. Er sieht nun aus wie neu. Die Bürste hat nur die Verfärbung der Seitenwand und die Öhlkohle auf der Kolbenfläche entfernt, die feinen Drehrillen am Kolben sind wieder gut sichtbar. Die Maße des Kolbenringes werde ich Dir nach Messung mitteilen. Schade, Deine Bitte kam leider zu spät.

Bei der Zerlegung der Welle der Kupplungsglocke, stellte ich fest, dass nur einer der beiden Distanzringe vor dem äußeren Nadellager verbaut war. Seite 20 im Handbuch, oberste Abbildung. Scheiben mit der Nummer 2.
Dadurch hatte das Zahnrad mit der Nummer 3 in der gleichen Abbildung zu viel Spiel. Hierfür fand ich eine geeignete 2.Scheibe in meiner Krabbelkiste.
Problematischer sind wohl die fehlenden Distanzscheiben bei der Getriebehauptwelle, Seite 13 im Handbuch, Figur 20.
Beim Zusammenbau der Getriebehauptwelle soll ein Achsspiel von 0,02 bis 0,12 mm (beim Dreistufengetriebe) durch Ausgleichsscheiben erzeugt werden.
Handbuch Seite 14 ganz oben, mittlere Spalte.
Der Spalt ist (aus der Erinnerung ca 1,5 mm) viel größer und Scheiben: Pustekuchen.
Kann ich Scheiben unterschiedlicher Dicke irgendwo erwerben, um mir damit das geforderte Spaltmaß s.o. zusammenzustellen?
Auch wird ein hitzebeständiges Fett gefordert, um damit die Wellendichtringe zu füllen. Kennt jemand den Namen des Fettes?

Lieber Dieter, ich habe das Spiel der Nadellager, so wie Du empfohlen hast, überprüft. Die großen Zahnräder bewegen sich alle höchstens 1/2 mm nach rechts und nach links. Das Spiel der Nadellager gestattet also nur 1mm Bewegung hin und her. Ich denke, dass das gute Werte sind, und die Nadellager keinen Handlungsbedarf haben.

Eine kleine Unregelmäßigkeit fand ich bei den Sperrklinken vor. Der kreisförmig gebogene Stahldraht mit der kleinen Seitennase hatte sich verschoben und ein wenig verbogen. Die Seitennase des Stahldrahtes war unter eine der Sperrklinken neben dem für die Nase vorgesehenen Freiraum gerutscht und hatte sich dort festgesetzt. Mit Zange und vorsichtigem Biegen habe ich den Stahldraht wieder in Form gebracht und die Klinken gehen nun wieder einwandfrei. Der Stahlring darf nicht zu eng gebogen werden, zu weit aber auch nicht, sonst rutschen die Sperrklinken vor der Montage der Nabenhülse aus ihrem Sitz und blockieren die Montage.

Unsicher bin ich mir noch, mit welcher Kraft der Konus in der Nabenhülse gegen das äußere Kugellager geschraubt wird. Dieser Konus wird danach ja mit Distanzscheibe und einer Kontermutter fixiert. Die Nabenhülse muß sich doch ohne jedes Spiel leicht auf der Achse drehen lassen, oder?

Nun sind schon wieder Fragen aufgetaucht, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass "ich geholfen werde".
Schon jetzt dafür vielen Dank.
Es grüßt mit stark verölten Fingern und ziemlich stolz auf die eigene Courage
Winfried
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