Hallo Freunde,
Hallo Bernd,
Achtung, ein langer Bericht.
Mal eine etwas andere Art zu zitieren, damit wird es übersichtlicher:
-- Bei Dir als Zweiradtechniker …..
Wie ich schon mehrfach geschrieben habe, liegt meine aktive Zeit als Zweiradmechaniker schon lange zurück. (mehr wie 50 Jahre) In dieser Zeit hat sich auf diesem Gebiet (eigentlich überall) so viel verändert das die vor 50 Jahren erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten nur noch eingeschränkt Gültigkeit haben. Weiter unten in diesem Text wird das in meinem Fall klar. Das betrifft allerdings nicht die allgemeinen handwerklichen Fähigkeiten, die man als Mechaniker einmal gelernt hat. Die bleiben einem Menschen erhalten, wenn er sich nicht zum Ignoranten entwickelt hat. Letzteres trifft hoffentlich nicht auf mich zu.
-- Habe schon viele Gabeln verschiedenster Art verbaut ……
Das ist es was ich klar machen will. Ich habe in meinem Leben nur eine normale Fahrradgabel gegen eine Federgabel ausgetauscht und habe dabei mein Waterloo erlebt. Nicht in Bezug auf meine handwerklichen Fähigkeiten, aber mangels ausreichender Erfahrung mit den modernen Fahrradtechnologien ist einiges schief gegangen.
-- Natürlich soll alles im Rahmen bleiben von den Kosten …...
Deshalb veröffentliche ich hier meine für einen alten Fahrradmechaniker eher peinlichen Erfahrungen.
-- Was hast Du jetzt für eine Gabel ( Typ und Hersteller ) ?????
Habe gerade auf der Rechnung nachgesehen aber da steht nur Federgabel drauf. Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, waren beide Federgabeln Suntor Gabeln. Welcher Typ jetzt in meiner Classic ist kann ich morgen früh nur am Objekt selbst nachsehen. In der Kälte steige ich heute Nacht nicht 3 Etagen runter und wieder rauf um nachzusehen. Morgen mache ich mit meiner alten Digitalkamera eine Aufnahme und zeige sie hier. Den Typ der falsch gelieferten Gabel kann ich nicht mehr angeben, aber es war definitiv eine Federgabel wie sie ab 1902/03 in der Saxonette Luxus eingebaut wurde.
-- Welche probleme gab es noch ?
Jetzt geht es los und wird für einen alten Fahrradmechaniker ein wenig peinlich.
Wie schon im letzten Aufsatz erwähnt habe ich nicht bemerkt, daß mir zunächst eine falsche Gabel geliefert wurde. Mir viel nur auf, daß die Achsen für die Felgenbremshebel fehlten, in den entsprechenden Gewindeaufnahmen waren schwarze Blindstopfen aus Plastik. Eigentlich hätte ich jetzt schon stutzig werden müssen, aber wie schon oben erwähnt die nötige Produktkenntnisse fehlten mir noch. Weil ich die umständliche Prozedur zurückschicken und auf neue Ware warten verkürzen wollte, habe ich nicht reklamiert sondern habe mir passende Achsen für die Felgenbremse im örtlichen Handel besorgt. Der Händler war dann so freundlich und hat ohne mich zu fragen die Achsen gleich eingebaut. Bezahlt habe ich den Einbau aber nicht, weil ich das nicht verlangt hatte. Ich wollte nur die richtigen passenden Achsen haben und den Einbau selbst vornehmen. Der Händler argumentierte, daß er das Gewinde wegen des eingedrungenen Lackes nachschneiden mußte. Das habe ich nicht gelten lassen, weil ich passende Gewindeschneider selbst besitze. Er sah mich zwar zweifelnd an, aber ich ließ ihn gar nicht weiterreden und sagte, wenn er das nicht glaubt bringe ich ihm postwendend meine Sammlung an Gewindewerkzeugen vorbei. Da gab seine Kostenforderung auf.
Ich ging also zufrieden nach Hause und machte mich am nächsten Tag an den Umbau. Die ganze Prozedur Vorderrad ausbauen, Schutzblech abbauen, Cantileverbremse abbauen, Gabel ausbauen, mit dem weiteren Abbau all der Kleinigkeiten die dazu noch erforderlich sind. Kurze Einflechtung, die wichtigsten erforderlichen Werkzeuge besitze ich schon seit vielen Jahren. Wenn mir ein Werkzeug fehlt wird es sofort besorgt (geliehen, meistens gekauft). Als ich die alte Gabel ausgebaut hatte fiel mir sofort der eingelaufene, defekte Festsitzkonus unten an der Gabel auf. Sch ….. !!! Ich tigerte also los und wollte so ein Teil kaufen. Da erlebte ich eine Enttäuschung nach der anderen. Ich habe fast einen ganzen Nachmittag damit zugebracht einen einzelnen passenden Konus dieser Art zu bekommen, vergebens. Also kaufte ich notgedrungen einen ganzen Steuersatz. Auf Vorschlag des Händlers ließ ich den Festsitzkonus gleich auf die Federgabel aufpressen, das machte er ruck zuck kostenlos und ich habe zugesehen. Dabei vielen mir so einige Werkzeuge auf die ich damals (50ziger Jahre) noch nicht kannte. Das Ergebnis meiner Rundreise durch einige Fahrradläden, ich hatte jetzt einen neuen modernen staubgekapselten Steuersatz für meine Saxonette.
Weil es schon dunkel war. habe ich den Umbau erst 3 Tage später fortsetzen können. Ich hatte am nächsten Tag etwas zu erledigen und danach war Wochenende. Samstags und Sonntags wollte ich nicht im Hof hantieren und die Mitbewohner (etwa 50) verärgern. Dazu muß ich erwähnen, meine Saxonette steht zwar im Hof aber da im Freien. Ich habe keine Garage nur einen Keller und das schwere Ding immer runter und rauf zu schleppen ist mir auf Dauer zu lästig und zu schwer. Mit einem 26“ Fahrrad (Alurahmen) geht das noch. Eine Saxonette ist vollgetankt mit ein wenig Zusatzausrüstung um einige Gramm

schwerer und wesentlich unhandlicher. Obendrein würde der Hausbesitzer und die Mitbewohner den unvermeidlichen Benzinduft im Keller auf Dauer nicht hinnehmen, könnte sogar gefährlich werden.
Am nächsten Montag ging ich vormittags ans Werk mit der Erwartung am Nachmittag eine Ausfahrt mit der neu gefederten alten Saxonette machen zu können. Doch welch eine Überraschung und Enttäuschung. Die Federgabel ließ sich zwar einbauen, aber als ich probehalber das Vorderrad in die Gabel steckte stellte ich fest, daß die Achsen für die Felgenbremse viel zu hoch saßen. Wenn ich mit dieser Konstruktion bremsen wollte würde die Bremse statt an der Felge am Reifen bremsen. Ich war zunächst baff und dann ärgerlich. Ich sah mir die Konstruktion etwas näher an und kam zu dem Schluß man hatte mir eine Federgabel für ein 28“ Fahrrad verkauft und wurde richtig wütend. Das paßte nach meiner Meinung auch, weil der breite Reifen der Classic nur knapp zwischen die Holme der Federgabel paßte. Ich baute die Gabel wieder aus, packte meine Sachen zusammen und hängte mich ans Telefon.
Da kam dann sehr schnell heraus, daß ich tatsächlich eine Federgabel für eine Saxonette Luxus bekommen hatte. Mir wurde ohne viel herumzureden ein kostenloser Umtausch zugesichert, obwohl ich mir eine geringe Mitschuld anrechnen lassen mußte. Mir war jetzt auch klar warum die Gabel nicht für eine Felgenbremse vorgesehen war. Die Saxonette Luxus hat von Haus aus vorne immer nur eine Trommelbremse. Etwas stört mich an der Angelegenheit bis heute. Die Federgabeln der Saxonette Luxus waren ursprünglich Gabeln für 28“ Fahrräder, warum die in ein Fahrzeug (Fahrrad) mit 26“ Rädern eingebaut wurden ist mir ein Rätsel. Was war der Grund dafür? Das Warum würde mich interessieren, ich habe zwar einen Verdacht, aber den gebe ich als Rätsel zunächst an die Forumsmitglieder weiter. Auflösung später.
Um es jetzt kurz zu machen etwa 8-9 Tage später bekam ich die richtige passende Federgabel, baute sie ein und bin damit zufrieden. Eine Überraschung erlebte ich noch. Die Federgabel hatte schon einen passenden aufgepreßten Festsitzkonus für das Steuerlager der Saxonette Classic. Ob der ein normales Zubehör der Federgabel ist weiß ich nicht. Wenn jemand sich diese Gabel kaufen will (siehe Link) dann sollte er sich vorher danach erkundigen. Dieser Festsitzkonus geht in der Regel bei einem Steuersatz für Fahrräder immer zuerst kaputt, die anderen Teile lassen sich fast immer weiterverwenden.
Hier noch mal der Link für diese Federgabel:
http://shop.strato.de/epages/61418666.s ... x2%2C00%22
Yogi (Jörg)