Erfahrungsbericht: Elektro-Quad Renault Twizy

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noway_man

Erfahrungsbericht: Elektro-Quad Renault Twizy

Beitrag von noway_man »

Hallo,

diejenigen die beim letzten Treffen in Greven waren, können sich vielleicht nicht unbedingt an mich erinnern, aber bestimmt an das Elektroauto das plötzlich auf dem Platz stand. Zu mindestens Dieter-K konnte sich daran erinnern und hat mich gefragt ob ich nicht Lust hätte einen Erfahrungsbericht im Forum zu schreiben. Mach ich natürlich gerne.

Wir fahren den Twizy jetzt seit ziemlich genau einem Jahr und haben mittlerweile 6500 km damit zurückgelegt. Wir werden natürlich gerade wegen der ungewöhnlichen Form immer wieder angesprochen. Die Fragen sind eigentlich immer die Selben. Ich werde hier mal die Fragen etwas ausführlicher beantworten als es auf dem Supermarktparkplatz möglich ist.

Wieso gerade ein Elektroauto?
Wir brauchten eine Alternative für den Astra den meine Frau bislang gefahren ist. Dadurch das Sie fast nur Kurzstrecke gefahren ist, hat der Astra gefühlt mehr Öl als Benzin gebraucht. Elektroautos haben mich immer schon fasziniert. Wir haben daraufhin den Nissan Leaf, den Renault Fluence Z.E. und dann, eher als Gimmick, den Renault Twizy probe gefahren. Für die ersten beiden reichte das Budget leider doch nicht. Aber eigendlich, waren wir da auch schon in den Twizy verliebt.

Wie schnell ist der?
Bei 83 km/h regelt der Twizy ab. Theoretisch soll er auch 100 km/h fahren können, nur würden dann die Akku´s zu schnell leer sein. Man kann mit 80km/h bequem im Verkehr mitlaufen. Damit ist man auch kein größeres Hindernis als ein LKW oder ein PKW mit Anhänger.

Wie ist das Fahrgefühl?
Das Fahrwerk ist sehr hart abgestimmt. Es erinnert ein wenig an ein GoCart oder einem VW-Käfer.
Renault hat beim Tritt auf das Strompedal eine leichte Verzögerung eingebaut, wenn die aber überwunden ist, ist man der König an jeder Ampel. Irgendwann baue ich mir mal eine Fotokamera an den Twizy und fotografiere die Gesichter von Autofahren neben mir an der Ampel. Sehr tolle Augenblicke ;-)

Wie weit kommt man damit?
Schwer zu beantworten. Das liegt daran wo man fährt. Wir wohnen ländlich, viele Besorgungen sind in den Nachbarorten, da fährt man mal 10-15 KM über Land (also Vollgas). So schafft man immer 50KM auch im Winter. Im Sommer auch mal 70KM. Wenn ich mit dem Twizy nach Münster fahre und durch die Innenstadt vom nördl. Punkt zum südl. Punkt fahre und zurück, habe ich schätzungsweise 15km zurückgelegt, aber nur 5-10 km Akkuleistung verbraucht, da ja beim Bremsen die Rekuperation den Akku nachlädt.

Reicht das?
JA! Weil wenn man zu Hause ist, das Auto sofort wieder an die Steckdose steckt und nachlädt. Ich habe noch nie externen Ladesäulen benutzt. (Hat auch andere Gründe, führt aber zu weit). Ich habe ihn auch schon mal leer gefahren, hab es aber auch ein wenig darauf angelegt ;-).

Wie wird der aufgeladen und wie lange dauert das?
An jeder handelsüblichen Schuko-Steckdose. Man sollte nur keine Kaffemaschine an der selben Steckdose betreiben, da der Twizy mit bis zu 10A lädt. Von ganz leer bis ganz voll braucht er 3,5 Stunden.

Wie viele können damit fahren?Was passt da rein?
Zwei Personen, hintereinander. Das machen wir regelmäßig. Man sitzt „recht“ bequem hinten. Ich bin weder klein noch schmal und passe gut da rein.
Wenn hinten keiner sitzt, passt dort eine Wasserkiste (oder Bierkiste wie in Greven), eine Kiste Milch und zwei Einkauftüten auf den Rücksitz. Rechts und Links kann man dann noch zwei bis vier Einkaufstüten packen.

Wird man darin nicht nass?
Als Fahrer gar nicht, es sei den der Regen kommt steil von der Seite. Als Beifahrer schon mal. Dafür gibt es aber mittlerweile auch Lösungen.

Was kostet das Ding?
Was ich genau bezahlt habe verrate ich natürlich nicht. Aber rechnet mal mit 8000-10.000 € Anschaffungskosten incl. Winterreifen, Überführung und Scheiben aus dem Zubehör.
Dazu kommt die monatliche Batteriemiete mit 50 € -75 € je nach jährlicher Fahrleistung.
Versicherung war letztes Jahr noch extrem schwierig, weil viele Versicherungen den Twizy irre hoch eingestuft haben oder manche auch gar nicht. Zulassungstechnisch ist der Twizy ein e-Quad (L7e). Wir haben den Twizy für knapp 80€ im ¼ Jahr Vollkasko versichert.
Der Twizy verbraucht 10KWh / 100KM bei einem durchschnittlichen Preis von 23ct/KWh macht das also 2,30€/100KM dafür bekommt man an der Tankstelle nicht mal einen Liter Diesel.

Wieso den Scheiben kaufen? Hat der keine? :hae:
Nein! Original von Renault hat der Twizy keine, und wenn man will hat er auch keine Türen.
Es gibt aber eine Firma die eine Scheibenlösung mit ABE vetreibt, die mittlerweile auch von ELIA vertrieben wird. Daneben gibt es mittlerweile auch andere Lösungen, aber die sind nicht zugelassen.

Wie sieht es denn mit einer Heizung aus?
Hat er nicht! Auch keine Klimaanlage, keine Servolenkung, kein Bremskraftverstärker.
Glaubt mir einfach, man vermisst es auch nicht. Radio bekommt man per Handy und Bluetooth Freisprecheinrichtung oder man bastelt sich was selbst.

Was macht man dann im Winter?
Scheiben rein und fahren! Meine Frau(!) ist den Twizy im letzten Winter bis auf vielleicht zwei Wochen freiwillig gefahren und hat bewusst den Benziner stehen lassen. Mit den Winterreifen und etwas vorsichtigem Gasfuß, läßt er sich genauso wie jedes andere Heck angetriebene Auto fahren.
Weil man einigermaßen windgeschützt ist, ist die Kälte auch nicht so das Problem.
Lediglich bei totalem Glatteis ist es hakellig. Weil, wenn er rutscht und man dann den Fuß vom Gas nimmt, die Rekuperation zuschlägt und den Twizy hinten bremst. Und wenn der Schnee sehr hoch liegt, ist es unangenehm weil der Twizy viel tiefer liegt, als alle anderen Autos und auch schmaler ist.

Lohnt sich der Twizy im Vergleich zu einem Kleinwagen?
ehrliche Antwort: Ist mir egal.
Bisher hat mir noch keiner eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von seinem aktuellen Wagen vorlegen können. Wir kaufen Autos, weil sie uns gefallen.

Mein Fazit: Für uns genau die richtige Entscheidung. Der Twizy und auch die anderen E-Autos sind nicht für jedermann, man muss den richtigen Anwendungsfall haben. Dann machen Sie Sinn und Spaß .Mann muss auch den Mut haben was neues auszuprobieren und sich nicht von allen Zweiflern voll quatschen lassen.
Ich glaube nicht, das Sie die mit fossilen Brennstoffen getriebenen Fahrzeugen ablösen werden und sollten. Aber man mischt den Kraftstoffmarkt ein wenig auf und spuckt den Ölmultis ein wenig in die Suppe. Solange Sie gezielt eingesetzt werden, tut man auch was für die Umwelt. Die Anschaffungskosten sind sicherlich noch etwas hoch, aber das ist bei neuen Dingen immer so. Wir werden auch weiterhin einen Benziner als Familenkutsche und eine (und bald eine zweite :redface: ) Saxonette haben.
Was hat die Saxonette im Laden gekostet als Sie neu auf dem Markt war?

Ich hoffe ich habe euch nicht mit dem Bericht gelangweilt.

Grüße
noway_man
Urban

Re: Erfahrungsbericht: Elektro-Quad Renault Twizy

Beitrag von Urban »

Nein das war überhaupt nicht langweilig,
Vielen Dank für Deinen interessanten Bericht.
Habe Dich ja auf dem Treffen schon ausgefragt und finde das Renault da einen super Kleinwagen auf die Beine gestellt hat.
Roland
Beiträge: 928
Registriert: Montag 20. Oktober 2008, 20:22
Wohnort: Unna

Re: Erfahrungsbericht: Elektro-Quad Renault Twizy

Beitrag von Roland »

...und ich habe in Greven drinngesessen....
Na ja, für mich und Urban ist das wohl nix. Obwohl ich das gerne mal getestet hätte: ich vorne und Urban hinten(oder umgekehrt) :mcgreen:
Aber ansonsten finde ich das Teil Interesant und dein Bericht war ohne den virtuell gehobenen, grünen Zeigefinger geschrieben.

Gruß aus Unna
Roland
Dieter-K

Re: Erfahrungsbericht: Elektro-Quad Renault Twizy

Beitrag von Dieter-K »

Lieber Noway_man,

herzlichen Dank für deinen objektiv-kritisch-offenen Bereicht.
wo kann man sonst solche bewusst neutral gehaltenen Berichte über so ein Fahrzeug lesen?

Vor ein paar Monaten habe ich euer Fahrzeug in Greven gesehen und war sehr, sehr interessiert.
Interessiert an der praktischen Wirklichkeit und Wahrheit, die du uns nun geschrieben hast.
Zu ideologisch verfärbt sind die Informationen, die man sonst allgemein zugänglich erhält.

Die Art der verwendeten Energie, hier Elektrizität, spaltet die Verkehrsteilnehmer.
Ich bin bekanntermaßen Spritsparwahnsinniger, von der Saxonette über das Kraftmotorrad bis zum Ford Transit.
Ich mag nicht das Verplempern von Energie, weil ich nicht möchte, dass meine Kinder und Enkel zwingend Fahrrrad fahren müssen. Fahrrad fahren, weil es keine fossilen Kraftstoffe mehr gibt. 2029 ist nach einigen Prognosen die Deadline erreicht.; 2035 spätestens wird Benzin oder Diesel unerschwinglich teuer sein und nicht mehr in Litern sondern in Tropfen abgerechnet werden. Mobilität ist dann ein Luxus. Der Transport von Waren per LKW wird die Preise für die Endverbraucher treiben, wie wir es heute für unfassbar halten.

Wir, wie bereits unsere Väter, wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen und die erste und die zweite Hypothek. So isses!
Ist ein Lied aus den 60ern. Nach mir die Sintflut sagen die Kinderlosen. Ich aber gönne meinen Enkeln ein bisschen Mobilität, Reisen, Flexibilität.

Elektromobilität ist eine interessante, wenn auch bescheidene Alternative. Solange über Deutschland die Sonne scheint und ein wenig Wind weht, bin ich jetzt guter Dinge.

Lieber Noway_man, danke!

Dieter
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