Wellendichtringe wechseln ist eine leichte Übung, wenn der Motor doch gerade geöffnet vor uns liegt.
Da geht man gerne auf Nummer sicher und - leider in Richtung Gemütlichkeit. Zumindest was in der nächsten Zeit die Geschwindigkeit angeht.
Wellendichtringe sollten nur gewechselt werden, wenn Ölverlust festgestellt worden ist oder der Wellendichtring so weit an der Dichtlippe abgenutzt ist, dass er nicht mehr richtig an der Welle anliegt. Zwischen Welle und Dichtring ist Reibung und damit Leistungsverlust, aber auch Verschleiß.
Der Wellendichtring am Polrad sollte auch gewechselt werden, wenn er verhärtet ist. Dann kann er in den Wellenzapfen einschneiden, da hier die Wellenhärte recht unterschiedlich ausfällt (meine Erfahrung). Am Kupplungslager ist die Gefahr nicht gegeben, weil hier der Lagerstahl regelmäßig gut gehärtet ist.
Qualitäts-Wellendichtringe sind nicht überall auf dem Vormarsch. Das Zeug ist genormt und kann weltweit eingekauft werden.
Ein gut eingelaufener Ring hat ein größeres Loch für die Welle als der gleiche Ring als Neuteil.
Folge: Der Wellendichtring frisst Leistung.
Wieviel Leistung schon ein optimal eingelaufener Wellendichtring eines der renomiertesten deutschen Hesteller vernichtet, seht Ihr unten im Diagramm.
Ich habe den Bereich für unsere Saxonetten vergrößert und etwas bearbeitet, damit die Werte besser ablesbar sind.

Leistungsverlust aus dem Diagramm bei Kurbelwellendrehzahl 7000/min (entsprechend 26km/h für deutsches bzw 32km/h beim Nl-Getriebe):
1. Am Polrad.........................>20 Watt
2. An der Kupplung..................>50 Watt
3. An der Radnabe (großer Ring)..> 5 Watt
In der Summe mehr als 75 Watt an Wellendichtringen verlieren? Bei angeblich 500 Watt Brutto-Leistung? Da schaue ich gerne, ob die alten nicht noch sicher bis zur nächsten Großinspektion im Motor bleiben können.
Grüße - Dieter