Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Saxonette, Spartamet und andere

Re: Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Beitragvon Biker-Roller » Dienstag 5. August 2014, 19:55

Hallo Zusammen , hallo insbesondere Dieter !

Nach Abwägung aller Vor - und Nachteile wäre ich auch an einer Umschreibung als Mofa interessiert.

Die Tatsache, dass bei einer Umschreibung kein möglicher Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz gegeben ist, also ein Vergehen, ist ein entscheidender Vorteil. Die möglichen Nachteile (Nichtbenutzung von Radwegen, Helm, Licht) als geringere Vergehen lasse ich zunächst für mich persönlich etwas ausser Acht. Hier kann ich immer im Einzelfall, je nach Strecke und Situation entscheiden.

Habe gerade mal nach einem anderen Thread geschaut zum möglichen weiteren Vorgehen, leider keinen gefunden, wie sieht das genau aus ?

Man müsste doch zwei Arten einer Zulassung oder Änderung unterscheiden:

1.
Ich fahre mit einer 25er Saxonette (ob D oder NLwäre doch egal) mit der Original- ABE zum TÜV und hole mir eine Einzelabnahme (wenn ich denn einen freundlichen und kompetenten Prüfer finde) , die auch bescheinigt wird ( Kosten?), diese Zusatzbescheinigung (gibt es übrigens für gedrosselte Mofas auch ) führe ich dann immer mit der OriginalABE mit , zusätzlich melde ich das der Versicherung, dass es jetzt ein Mofa ist und zahle nochmal ca. 30 Euro drauf, Jahresgebühr so um die 60 ??

2.
Ich kaufe mir ein schönes stabiles Fahrrad mit Gangschaltung und baue den NL-Motor ins Hinterrad ein, hole mir eine komplette Einzelabnahme (so müßte es doch Sachs-Renner@arcor.de ) gemacht haben, bei den tollen Rädern, die im Netz von ihm zu sehen sind ? Kosten ?

Alles zunächst mal nur Theorie, möglicherweise ist das alles aber schon mal diskutiert worden, kann den Thread leider nicht finden,

Danke für Euro Infos, Anregungen und Hinweise !
Am Ende wird alles gut... und wenn es noch nicht gut ist, dann ist auch noch nicht das Ende ! :-)
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Re: Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Beitragvon andernach1950 » Dienstag 5. August 2014, 20:38

15.- euro wollte der grüne, hat mich aber nur belehrt. ja 25 od 30kmh wäre super. aber warum hätten 599er propleme. gr. helmut *TIRED* *THUMBS UP*
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Re: Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Beitragvon Dieter-K » Mittwoch 6. August 2014, 01:16

Die Umschreibung wird bei pingeligem Prüfer umso teurer, je neuer die Räder sind. Der besteht dann auf einem Abgasprüfzyklus, der richtig ins Geld geht. CO2-Ausstoß, Einhaltung der Grenzwerte für CO und NOx auf dem Prüfstand im Fahrbetrieb über einen festgelegten Zeitraum. Also richtig Aufwand. Logisch denkende Menschen könnten meinen: Alles haargenau gleich, nur die Übersetzung ist länger, also weniger Schadstoffe! Wer darauf hofft, hat die Rechnung ohne die TÜV-Logik gemacht. Weniger mag sein, es ist aber wichtig zu wissen, wieviel weniger. Vielleicht ist es trotzdem mehr, was hinten rauskommt, der Fahrtwind wirkt sich auf den Lufteintritt aus und damit auf das Abgas.

Es zählen immer die Vorschriften, die galten, als das Rad erstmals in Deutschland für den Straßenverkehr zugelassen wurde.
Früher gab es überhaupt keine Abgasvorschriften für Zweiräder. 1989 wurden die erstmals eingeführt und in mehreren Stufen im Laufe der Jahre verschärft. 2005 durften schließlich wegen dieser Vorschriften nur noch bereits produzierte Neufahrzeuge verkauft werden. Die 2005 aktuellen Abgaswerte hätte die Saxonette auch mit Kat nie einhalten können. Das war schließlich ihr Aus.
Die Vorschriften für Bremsleistung wurden im Laufe der Zeit immer schärfer.
Gleichzeitig wurden die zulässigen Lärmwerte immer weiter reduziert und das Prüfverfahren einmal komplett geändert.

Die Hudsons mit Rotary-Motor verfügten über eine sogenannte COC (Certificate of Conformity). Damit wird bescheinigt, dass das Fahrzeug Europäischem Recht entspricht. Sowas gibt es auch für NL-Motoren und damit braucht keine enorm teure Abgasprüfung durchgeführt werden. Man kann sonst mit 1500 EU bis 2500 EU rechnen, je nach gültiger Abgasnorm zu der Zeit, als das Fahrzeug erstmals in Verkehr gebracht wurde.

Der 599er Motor wurde zwar 2004 bis zur Pleite von Sachs ca. 1 1/2 Jahre lang gebaut. Von COC für Fahrzeuge, die diese Motoren im Hinterrad hatten, weiß ich nichts. Wenn es diese COC gäbe, besonders für niederländische Saxonetten, wäre das eine Erleichterung für eine Umschreibung.

Hudson übernahm die Saxonetten nach der Sachs-Pleite. Sie produzierten anfangs mit 599er Motoren. Später mit 699ern, für die es dann die COC gab. Hudson ging Mitte 2008 in Konkurs. Über welche Schleichwege und mit welchen Tricks die ihre Fahrzeuge bis dahin in den Handel brachten, ist deren Geheimnis. Offiziell hätten ab 2005 keine neu produziertes Fahrzeug mehr in den Handel gebracht werden dürfen. Wahrscheinlich gab es sowas wie einen Nürnberg-Bonus.

2006 waren neue Zweitakter tot. Eine Aprilia schaffte die 2005er Norm noch, soweit mir bekannt ist. Ab da gab es in Rollern und Mofas praktisch nur noch Viertakter.

Fazit: Je älter die Saxonette, umso leichter die Umschreibung. Mit 25km/h-COC ist es wieder leichter als ohne. Nur sollte man dann zur Abnahme auch einen 699er mit Kat und übrigen Anbauteilen im Rahmen haben. Denn die Merkmale dieser Motoren wird der TÜV-Prüfer beim KBA (Kraftfahrtbundesamt) abfragen, wenn er es genau wissen will. Sowas geht heute online blitzschnell.

Knapp über 100 Euronen sollten reichen für das Einzelgutachten und die Betriebserlaubnis vom Straßenverkehrsamt bzw. Landratsamt.

Die Beleuchtung war beim Hudson-Mofa mit 699er Motor irgend ein 20-Lux-Kappes. Die war also per Ausnahmegenehmigung zulassungsfähig (mit Nürnberg-Bonus oder schon nach EU-Recht?). Offiziell benötigt man eine 15Watt Lichtanlage. Es lässt sich aber rechnerisch nachweisen, dass bereits der Busch & Müller IQ-Fly mit 40 Lux mehr Helligkeit liefert als von den 15-Watt-Anlagen der Mofas gefordert wird. Messtechnisch gelingt das auch. Damit erledigt sich das Thema Licht. Kondensator-Standlicht vorne und hinten sind aber Voraussetzung, denn Mofas funzeln auch an roten Ampeln weiter.

Die Festigkeit des Rahmens ist nur kurz ein Thema. Schließlich liefen die Fahrzeuge zu Hunderttausenden in den NL. Somit ist der 12.000km Festigkeitsnachweis für den Rahmen quasi rhetorisch bestanden.

Diesen Weg muss jeder gehen, der sein Fahrzeug umschreiben lassen möchte.
Ahnungslose Prüfer mit Angst vor Kompetenzüberschreitung sind ein erstes Hindernis. Dann darf man sich nicht abwimmeln lassen, sondern fragt nach der Prüfstelle und dem Prüfer, der so eine Umschreibung vornehmen darf.

Ich selbst habe keinen Bock auf ein Mofa. Der Erste, der Papiere dafür hat und sie an Andere weitergibt, ist der Wegbereiter.
Dazu hatte ich mich angeboten, wenn genügend Interesse besteht.

Das war jetzt der tiefere Einblick in die Materie "Umschreibung zum Mofa".

Deutsche Hudsons mit 25km/h-Zulassung sind ja offiziell. Was fehlt, sind die erste Maschinen, die den Namen Hercules, Sachs oder Spartamet auf dem Rahmen und in den Papieren tragen. Mit Präzedenzfall werden alle Probleme wie von Geisterhand weggewischt.

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Re: Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Beitragvon Biker-Roller » Mittwoch 6. August 2014, 18:51

Hey,

wow, ein sehr ausführlicher, aber inhaltlich wichtiger Beitrag mit der Konsequenz, dass alles nicht so einfach ist, wie man sich das vorstellt. Die größte Schwierigkeit bei einer Neuzulassung dürfte dann tatsächlich die Abgasnorm darstellen. Da kann man wirklich schauen, wo bekomme ich einen für mich geeigneten (älteren) Rahmen (vielleicht ein Herrenmodell) und eine entsprechende Gabel her und wie rüstet ich das Fahrzeug dann nach meinen Vorlieben um. So wie sich das anhört, scheinen auch die richtigen Kontakte zu TÜV oder Dekra und die Bereitschaft zur Umschreibung wichtig. Mal schauen, eine sehr kleine TÜV - Stelle im Bereich gibt es hier und fragen kostet nichts. Wenn es mal passt, werde ich das Thema mal angehen, vorher steht aber noch die weitere Saxo- Optimierung an *JOKINGLY*

Danke für die ausführlichen Infos !
Am Ende wird alles gut... und wenn es noch nicht gut ist, dann ist auch noch nicht das Ende ! :-)
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Re: Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Beitragvon Dieter-K » Freitag 8. August 2014, 02:33

Hallo Biker-Roller,

die 20km/h Saxonette und die 25km/h Saxonette dürfen ganz genau die gleichen Wege, Radwege, Straßen befahren.
Da gibt es seit ein paar Jahren überhaupt keine Unterschiede mehr.

Die eine muss eben Licht an haben, die andere nicht. Ein Fahrer darf sich den Fahrtwind durchs Haar fahren lassen, der andere hat den "geeigneten" Helm auf. Wie immer der auch aussieht.

Man ist sich nämlich darüber im klaren, dass ein Motorradhelm für Fahrer von Fahrrädern, Pedelecs, S-Pedelecs (45km/h schnell) ungeeignet ist. Fahrrad-Mofas sind ein etwas rechtsfreier Raum. Das Steigvermögen von Mofas ist dem der Fahrrad-Mofas nämlich deutlich überlegen, sodass im praktischen Fahrbetrieb bei 25km/h Saxonetten längere Tretunterstützung an Steigungen immer in Betracht gezogen werden muss.

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Re: Saxonette als richtiges Mofa - eine Bereicherung?

Beitragvon reiserad-saxonette » Montag 13. April 2015, 22:43

Wäre auch dabei *THUMBS UP*
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